Die Erfahrungen mit meinem Erstling "Von Mäusen, Menschen und anderem Getier"
sind vielleicht auch für andere Schreiberlinge interessant.

Bücher, Märkte und Autoren

Vor einigen Jahren Jahren hatte ich die wagemutige Idee, eine Auswahl meiner Gedichte und Geschichten in einem Buch zu veröffentlichen.
Einer begeisterten Leserschaft wollte ich meine tiefgründigen Gedanken über allerlei Merkwürdiges und Skurriles mitteilen. Es bestand für mich damals auch kaum ein Zweifel daran, dass schon nach kurzer Zeit die verkaufte Auflage astronomische Höhen erklimmen würde. 
Als hochgeachtetes Mitglied der hehren Gilde zeitgenössischer Autoren von einer Dichterlesung zur anderen eilend, würde ich kaum Zeit finden, noch etwas anderes zu schreiben als unzählige Widmungen! Apropos Widmungen. Später ist es mir übrigens nie so richtig gelungen, jene ganz besondere Mischung aus weltläufiger Kürze, aber auch immer persönlich gehaltenem Text - sozusagen aus dem Handgelenk - flüssig zu Papier zu bringen. 
Wie so viele Neulinge hatte auch ich keine Ahnung von den vielen Fallgruben und Risiken des Bücher- Jahrmarktes, die auf mich warteten und musste im wahrsten Sinn des Wortes Lehrgeld  zahlen. Bisher hatte ich nur auf meiner Hp und auf so genannten "Literatur-Sites" meine Texte veröffentlicht. Der Gedanke, dass dort Millionen von Menschen meine literarischen Ergüsse lesen würden, faszinierte mich. Es spielte auch keine Rolle, wenn viele Besucher sich dann im Gästebuch mit einem nur ganz unverbindlichen Kommentar, aber gleichzeitig auch mit einem dafür umso eindeutigeren Hinweis (mit Banner!) auf ihre eigenen Werke eingetragen hatten. Ich war trotzdem glücklich. 
Leider geht es dabei aber oft nach dem Motto: Beweihräucherst du mich, dann beweihräuchere ich dich! 
Die gigantische Anhäufung von literarischen Ergüssen auf diesen unzähligen Sites macht es übrigens fast unmöglich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Es gibt nur wenige gut strukturierte und  fachlich kompetent moderierte Adressen im WEB!
Für Autoren, die ein eigenes Buch planen, gibt es u.a. folgende Möglichkeiten:
"Book on Demand" zum Beispiel ist vielleicht eine gute Idee, aber in der Praxis sehr oft problematisch und auch nicht gerade billig. Eine Anthologie ist zwar noch kein eigenes Buch, aber immerhin ein erster Schritt. Die großen Verlage zeigen in der Regel allerdings wenig Risikobereitschaft und arbeiten fast nur mit bereits bekannten Autoren zusammen.
Man kann sein Buch auch im Selbstverlag herausbringen oder es bei einem so genannten Zuschussverlag versuchen. Hier tummeln sich allerdings nicht wenige schwarze Schafe, die sogar zweimal abkassieren. Zuerst für das Drucken und Verlegen und dann noch einmal dafür, dass nach einer gewissen Zeit die angeblich unverkäufliche Rest-Auflage vor dem Einstampfen dem verzweifelten Autor zum Kauf angeboten wird!
Ich selbst hatte mich für einen der seriöseren Zuschussverlage entschieden und muss fairerweise anmerken, dass man mich von Anfang an auf das Risiko einer Kostendeckung aufmerksam machte und ein finanzieller Gewinn kaum zu erwarten sei. Die übrigen Vertragsbedingungen klangen vernünftig und alles machte einen guten Eindruck. Hinzu kam, dass ich mir einfach den Luxus eines eigenen Buches gönnen wollte und optimistisch in die Zukunft blickte. Irgendwie würde es schon klappen.
Nach Zahlung eines „Zuschusses“ in Höhe von etwa 1500 € wurden 1000 Bücher gedruckt und ich erhielt 30 Freiexemplare und einen Nachlass von 40% auf alle Verlagsprodukte incl. das eigene Buch. Ladenverkaufspreis: 10,00 €
Der Verlag betrieb übrigens wenig Public Relations. Abgesehen von einer allgemein gehaltenen Pressemitteilung, Präsentationen auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig war dies schon alles an verkaufsfördernden Aktivitäten. Wurde das Buch ein Renner, schön. Lief es nicht, auch gut - er hatte ja sein Geld!
Trotz aller Bedenken war es dann aber doch ein wunderbares und stolzes Gefühl, endlich das eigene Buch in der Hand zu halten, und irgendwie kam es mir auch so vor, als ob ich noch einmal Vater geworden wäre. 
Mein „Kind“ war dünn geraten - nur 66 Seiten -, aber es kommt ja auf den Inhalt an! Die 30 Freiexemplare waren schnell an Verwandte, Freunde und Bekannte verteilt, und ich wartete ungeduldig auf ihre enthusiastischen Kommentare. Meine zunächst schüchternen Anfragen, ob man vielleicht schon in meinem Werk etwas geblättert habe, nahmen später die Form versuchter Nötigung an. Einige der Beschenkten reagierten überhaupt nicht und versetzten mich dadurch in nicht geringe Unruhe. Feedback erfolgte leider nur tröpfchenweise und entsprach nicht immer meinen hochgespannten Erwartungen. Nur ein Beispiel:„Vielen Dank, dass du uns an deinen Gedanken hast teilhaben lassen.“ Wie diplomatisch! 
Mein Buch, oder besser der Wirbel, den ich mit ihm veranstaltete, mutierte bald zu einer Art Sprengstoff. Von mir bisher für absolut gefestigt gehaltene, enge Beziehungen lockerten sich auf dramatische Weise, und das führte im Laufe der Zeit zu ganz neuen und tiefen Einsichten in Bezug auf die menschliche Natur im Allgemeinen, aber auch über mich im Besonderen. Aber allein schon deshalb hat sich der ganze Aufwand für mich gelohnt. Im Lauf der Zeit habe ich dann doch noch das eine oder andere Buch verkauft und bin alles in allem nicht unzufrieden. 
Auch gelegentliche Kritik, positive wie negative, hat mir gezeigt, dass sich das Wagnis lohnte und es Menschen gibt, die der eine oder andere Text berührt hat. Was will man mehr?
Zum Schluss noch ein paar Gedanken über eigene Aktivitäten, die helfen können den Verkauf eines Buches zu fördern. Papier ist geduldig und Bücher sind da keine Ausnahme. Ob sie beim Verlag, im Regal der Buchhandlung oder bei einem begeisterten Leser stehen, ist ihnen völlig schnuppe! In erster Linie kommt es auf den Verkauf an und man muss sich eben selbst darum kümmern. Die Hände in den Schoß legen und abwarten, dass etwas geschieht, reicht einfach nicht aus. 
Die örtliche Presse zum Beispiel  ist oft an kleinen, etwas ungewöhnlichen Stories für ihre Leser interessiert. Als sie von mir erfuhr, wo ich mein Buch auch noch anbiete, war eine recht positive Rezension mit dem Titel: „Lyrik im Bäckerregal“ das schöne und vor allem kostenlose Ergebnis! Dies führte wiederum zu weiteren Interviews und Berichten. Sie wurden kopiert, einlaminiert und an strategisch günstigen Stellen in Buchhandlungen und in etlichen öffentlichen Einrichtungen der näheren und weiteren Umgebung platziert. Phantasie ist gefragt, aber auch sehr viel Eigeninitiative! 
Es gibt für jedes Buch einen Markt. Voraussetzung: Der Autor hat etwas zu sagen und die Texte sind interessant geschrieben. Oftmals sind sie sogar um Einiges besser als so manches „Jahrhundertbuch“, das mit enormem finanziellen Aufwand in den Medien hoch gepusht wurde und das man angeblich unbedingt gelesen haben muss!
Ich möchte uns Amateuren Mut machen und denke, dass es viele interessante und literarisch wertvolle Texte gibt, die in einem Buch erst so richtig zur Geltung kommen würden. Es lohnt sich fast immer - auch wenn es vermutlich nicht gleich ein Bestseller wird!

Fred Lang

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