Buchcover

Ein Protokoll praktischer Lebenshilfe zum Schmunzeln.
Telefonische Beratung im Rahmen eines Projektes der Gesellschaft zur Erforschung zwischenmenschlicher Beziehungen (GzEzB).

Auszüge:

Ein Missverständnis

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Guten Abend, Herr Dr. Schräg!

Dr. Schräg: Guten Abend!

Anruferin: Ich habe ein Problem.

Dr. Schräg: Sie haben ein Problem.

Anruferin: Ja, also ich weiß nicht ...

Dr. Schräg: Sie wissen nicht.

Anruferin: Doch, ich weiß nur nicht, wie ich mich jetzt ... also, wie ich es ...mmh ...

Dr. Schräg: Fangen Sie einfach an. Wo drückt denn der Schuh?

Anruferin: Ja, also, drücken tun meine Schuhe nicht. 

Dr. Schräg: Das ist schön!

Anruferin: Ja, das ist schön! Aber was anderes stört mich und das ist viel schlimmer.

Dr. Schräg: Ist es körperlich oder eher seelisch bedingt? Oder vielleicht sogar alles zusammen?

Anruferin: Tja, also zusammen ist es nicht, eher auseinander.

Dr. Schräg: Eher auseinander, aha! 

Anruferin: Wissen Sie, es hat mit meinem Ede zu tun. In der letzten Zeit meckert er nur noch rum. Dies passt ihm nicht und das auch nicht und überhaupt ...

Dr. Schräg: Und überhaupt?

Anruferin: Also ich weiß nicht, wie ich mich jetzt ... also, wie ich es ...äh ...mmh ...

Dr. Schräg: Sprechen Sie einfach frei von der Leber weg. Wir sind ja unter uns und niemand hört zu.

Anruferin: Ja, das stimmt. Also, es hat was mit unserem, Sie wissen schon, also mit unserem ... äh ... zu tun. 
Dr. Schräg: Ja?

Anruferin: Ich hatte extra ein ganz spezielles Parfüm gekauft, verdammt teuer, das sage ich Ihnen. Aber Ede liebt doch den Duft von frischem Gras und schnuppert immer ganz wild an mir rum. Seine langen Barthaare kitzeln mich dann so schön. Vor allem da unten, Sie wissen schon, wo. Ich werde immer ganz kribbelig davon. 

Dr. Schräg: Sie werden ganz kribbelig.

Anruferin: Ja, und neue Reizwäsche hatte ich mir auch zugelegt. Sie ist im Schritt offen, damit er gleich ...

Dr. Schräg: Damit er gleich?

Anruferin: Na, das können Sie sich doch denken. Ede ist sonst immer einer von den ganz Schnellen, wenn Sie verstehen, was ich meine. Aber alles hat nichts genutzt. Er will nicht mehr mit mir ...

Dr. Schräg: Sie meinen also, Ihr Mann hat kein Interesse mehr an Ihnen.

Anruferin: Was für'n Mann? Ede ist doch ein Ziegenbock!

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Zu schnell unterwegs

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Hallo Herr Doktor, ich wollte mich mal mit Ihnen austauschen.

Dr. Schräg: Ja, bitte!

Anrufer: Also, ich bin vorbestraft, aber sonst geht’s mir gut.

Dr. Schräg: Sie sind vorbestraft und es geht Ihnen gut.

Anrufer: Ja, das stimmt. Manchmal denke ich, dass alles viel zu schnell gegangen ist.

Dr. Schräg: Alles ist zu schnell gegangen.

Anrufer: Ja. Wissen Sie, ich bin nämlich ein Kapitän.

Dr. Schräg: Sie meinen, Sie sind ein richtiger Kapitän und haben ein Schiff?

Anrufer: Nein, nein. Ich bin, nee, ich war mal ein "Kapitän der Landstraße" und immer verdammt schnell unterwegs. Das können Sie mir glauben.

Dr. Schräg: Sie waren also Fernfahrer. Interessant!

Anrufer: Ja, und schnell war ich. Das hat auch mein Chef immer gesagt. Freddy hat er gesagt, du bist der Schnellste.

Dr. Schräg: Aber ist das nicht gefährlich, ich meine, so mit 40 Tonnen im Rücken? 
Und dann steht nachts plötzlich ein Reh auf der Straße. 

Anrufer: Wenn’s doch nur ein Reh gewesen wäre, aber es war eine Frau.

Dr. Schräg: Und da wollten Sie höflich sein und haben angehalten. 

Anrufer: Genau! Wie die Frau da so hilflos am Fahrbahnrand stand und mir zuwinkte, da konnte ich gar nicht anders.

Dr. Schräg: Sie konnten nicht anders.

Anrufer: Sie hatte übrigens nur Stiefel an und sonst nichts. Und bei kaltem Wetter ist das für einen Spaziergang zu wenig und für die Gesundheit ist es auch schädlich. Finden Sie nicht?

Dr. Schräg: Ja, das finde ich auch.

Anrufer: Sehen Sie, und genau deshalb bin ich sofort in die Eisen gegangen…äh, habe heftig auf die Bremse getreten. Aber das hätte ich lieber nicht tun sollen.

Dr. Schräg: Das verstehe ich jetzt aber nicht ganz. Sie wollten der Dame doch helfen.

Anrufer: Ach, das war überhaupt keine Dame. Das war ein Lockvogel.

Dr. Schräg: Ein Lockvogel?

Anrufer: Als ich nämlich meinen Brummi zum Stehen gebracht hatte und ich wieder rausguckte, da war sie weg. 

Dr. Schräg: Sie war weg?

Anrufer: Ja, aber dafür standen zwei Kerle da und zielten mit ihren Knarren auf mich. 
Da habe ich natürlich sofort wieder Gas gegeben. Nicht zu wenig, das können Sie mir glauben.

Dr. Schräg: Das glaube ich Ihnen aufs Wort. Und was ist dann passiert?

Anrufer: Die beiden Typen sprangen zur Seite und mein 40-Tonner raste nur ganz knapp an ihnen vorbei. 

Dr. Schräg: Sie waren bestimmt froh, dass es alles in allem doch noch so gut für Sie ausgegangen ist. 

Anrufer: Ja, das hat aber nicht lange vorgehalten. Und wenn ich erst mal schlechte Laune habe, dann … 
Übrigens, das hat mein Chef auch immer gesagt. Freddy, wenn du erst mal schlechte Laune hast, dann … 

Dr. Schräg: Dann?

Anrufer: Tjaa … ich habe meinen Brummi an der nächsten geeigneten Stelle gewendet und bin zurückgefahren.

Dr. Schräg: Sie sind wieder zurückgefahren, hatten Sie denn gar keine Angst?

Anrufer: Nein, ich war ja wütend.

Dr. Schräg: Und was geschah dann? Und warum sind Sie jetzt eigentlich vorbestraft?

Anrufer: Weil ich zu schnell war und jemand überfahren habe. Ich war zeitlich gesehen doch schon ziemlich im Rückstand und musste mich jetzt beeilen. 
Hätten denn Sie angehalten, als nach der Umkehr an der gleichen Stelle wieder eine nackte Frau am Fahrbahnrand winkte? Ich jedenfalls nicht und versehentlich bin ich dann wohl etwas zu weit nach rechts abgekommen. 

Dr. Schräg: Sie sind etwas abgekommen. Also, wenn ich mir das so überlege … Nein, ich hätte auch nicht angehalten. Und vielleicht wäre auch ich ein kleines bisschen zu nahe an sie rangefahren - aus Versehen natürlich!

Anrufer: Danke, Herr Doktor Schräg!

Dr. Schräg: Gern geschehen!

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Der Putzteufel

Dr. Schräg am Apparat! 

Anruferin: Guten Tag, Herr Doktor! 

Dr. Schräg: Guten Tag! Was haben Sie denn auf dem Herzen?

Anruferin: Ja, also direkt auf dem Herzen habe ich nichts, es sind eher die Augen. 

Dr. Schräg: Sie sind sehbehindert?

Anruferin: Nein, nein! Ich wäre aber froh, wenn ich nichts mehr sehen würde.

Dr. Schräg: Sie wären froh, wenn Sie nichts sehen würden?

Anruferin: Ja, so ist es. Lange halte ich es bestimmt nicht mehr aus und es wird immer schlimmer und schlimmer. 

Dr. Schräg: Was wird denn immer schlimmer? Sie müssen sich schon ein bisschen klarer ausdrücken, ich bin Psychologe und kein Hellseher.

Anruferin: Oh Verzeihung, Herr Doktor! Tut mir leid, dass Sie nur ein Pyschlogoge sind. Ich dachte, dass alle Doktors immer gleich Bescheid wissen. Sie haben doch auf solche Sachen studiert, oder? 

Dr. Schräg: Ja, aber Hellsehen kann ich nicht. Leider!

Anruferin: Das ist schade. Nun muss ich ja ganz von vorn anfangen.

Dr. Schräg: Das wäre schön.

Anruferin: Ja, wissen Sie, es geht um meinen Mann. Seit einem halben Jahr ist er Rentner und putzt.

Dr. Schräg: Er ist Rentner und putzt. Das kommt nicht so oft vor. War er zwischendurch mal Hausmann? 

Anruferin: Erwin, ein Hausmann? Nee, wo denken Sie hin! Erwin hat immer gearbeitet. 

Dr. Schräg: Wo genau putzt denn Ihr Mann?

Anruferin: Auf der Straße, direkt vor unserem Haus. 

Dr. Schräg: Ihren Mann stört wohl der viele Dreck? 

Anruferin: Nein, Dreck auf der Straße hat meinen Mann noch nie gestört, aber Flecken und matte Stellen kann er nicht leiden. Alles muss glänzen und spiegelblank sein, dann ist er für eine Weile richtig glücklich.

Dr. Schräg: Wie schön für ihn. Und wie äußert sich das?

Anruferin: Er steht im Wohnzimmer am Fenster und schaut auf die Straße. Manchmal steht er stundenlang da und kann sich nicht sattsehen. Wenn ich ihn zum Essen rufe, kommt er nur widerwillig in die Küche. Und kaum ist er fertig, greift er sich den Putzeimer mit den Lappen und geht wieder auf die Straße.

Dr. Schräg: Ja, um Himmelswillen, was putzt Ihr Mann denn so eifrig?

Anruferin: Habe ich das denn noch nicht gesagt, sein Auto!

Dr. Schräg: Dagegen ist doch nichts einzuwenden, wenn Ihr Mann so sehr für Sauberkeit ist und immer alles schön glänzen soll.

Anruferin: Das habe ich am Anfang auch gedacht und war heilfroh, dass er beschäftigt war und mir nicht dauernd vor die Füße lief.

Dr. Schräg: Ja, aber wieso haben Sie denn jetzt Ihre Meinung geändert und wollen am liebsten nichts mehr sehen?

Anruferin: Also, das kam so. Am Anfang ist Erwin auch nur zwei oder drei mal am Tag rausgegangen und hat ein bisschen gewischt und ein paar matte Stellen wieder blank geputzt. Wenn es geregnet hatte, ist er sofort raus und hat alles wieder trocken gerieben. Manchmal hat auch ein Vogel  auf den Lack geschissen … ähm, Entschuldigung!, etwas hinterlassen und dann war er immer sehr wütend.

Dr. Schräg: Das kann man ja auch verstehen. Und wie ging es weiter?

Anruferin: Nach etwa drei Wochen putzte er schon fünf bis sechsmal am Tag und nach etwa einem Monat fast jede Stunde. Wenn es regnete, noch öfter. Er hat dann auch immer die Profile der Reifen gesäubert und sie anschließend mit dem Föhn getrocknet.

Dr. Schräg: Mit einem Föhn?

Anruferin: Ja. Auf die Idee mit dem Fön war er besonders stolz. Diese vielen Rillen nur mit dem Tuch trocken zu kriegen ist ja nicht so einfach. Zum Schluss hat er sogar das Auto mit dem Wagenheber abwechselnd angehoben, damit er überall hinkonnte.

Dr. Schräg: Ihr Mann hat hat wohl schon immer sehr gründlich und gewissenhaft gearbeitet.

Anruferin: Das stimmt, aber das mit dem Auspuffrohr ging zu weit. Da ist mir der Kragen endgültig geplatzt.

Dr. Schräg: Was war denn mit dem Auspuffrohr?

Anruferin: Es war innen manchmal etwas rußig und das hat ihn furchtbar gestört. Nach jeder Fahrt hat er es sofort wieder sauber gemacht. Das war auch der Grund, warum er später überhaupt nicht mehr gefahren ist.

Dr. Schräg: Er ist nicht mehr weggefahren, aha!

Anruferin: Nein. Und nun kommt’s. Erwin putzt jetzt auch nachts. Er hat sich dafür extra einen großen Scheinwerfer gekauft, weil die Straßenbeleuchtung nicht hell genug ist. Außerdem gehen die Lampen bei uns im Dorf schon um Mitternacht aus. Dann ist es stockdunkel und bis zum nächsten Morgen will er nicht mehr warten.

Dr. Schräg: Was sagen denn Ihre Nachbarn dazu, dass Ihr Mann so oft sein Auto putzt? 

Anruferin: Das ist es ja. Sie sagen nichts, aber sie tuscheln. Und das ist viel schlimmer. 

Dr. Schräg: Das verstehe ich. Haben Sie denn keine Garage?

Anruferin: Doch, wir haben eine, aber Erwin könnte dann ja seinen Liebling nicht mehr sehen und das hält er nicht aus. Er hatte mal eine Kamera installiert, aber die funktionierte nicht so richtig und außerdem machte sie nur schwarz-weiß Bilder. 

Dr. Schräg: Vielleicht reden Sie mal mit Ihrem Mann und schlagen ihm einen Kompromiss vor. Wie wäre es denn, wenn er sein Auto nur noch jeden zweiten Tag putzt und nachts nur einmal in der Woche?

Anruferin: Das habe ich ja versucht, aber es hat nichts genutzt. Seit gestern schläft er sogar im Wagen.

Dr. Schräg: Das geht nun wirklich zu weit. Aber ich weiß leider nicht, was ich Ihnen noch raten könnte.

Anruferin: Wissen Sie, Herr Doktor, ich kann verstehen, dass ihr Pyschlogogen da passen müsst.

Dr. Schräg: Passen müsst?

Anruferin: Ja, aber machen Sie sich nichts draus. Jetzt ist sowieso alles zu spät.

Dr. Schräg: Wie darf ich das verstehen?

Anruferin: Erwin hat sich noch ein Auto gekauft! 

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Nichts wird so heiß gegessen …

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Hallo! Hier ist Erwin.

Dr. Schräg: Guten Tag!

Anrufer: Ich hätte da mal eine Frage. 

Dr. Schräg: Ja, bitte!

Anrufer: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen?

Dr. Schräg: Alfred.

Anrufer: Hallo Alfred!

Dr. Schräg: Was haben Sie denn sonst noch auf dem Herzen, Erwin?

Anrufer: Sag mal, Alfred, bei dir rufen bestimmt auch Frauen an, die mit ihren Männern … wie soll ich sagen … ähm … 

Dr. Schräg: Ja?

Anrufer: Also, die mit ihren Männern gewisse Probleme haben. 

Dr. Schräg: Was für Probleme meinen Sie? Sie müssen mir das schon genauer erklären.

Anrufer: Also diese Männer können nicht …

Dr. Schräg: Was können diese Männer nicht?

Anrufer: Sie möchten es unbedingt, aber es klappt einfach nicht. Du verstehst, was ich meine?

Dr.Schräg: Das kommt öfter vor, als man denkt. Aber es gibt ja Mittel und Wege …

Anrufer: Ich sage immer, nichts wird so kalt gegessen wie es gekocht … ich meine natürlich, nichts wird so heiß gekocht wie es gegessen wird. Oder ist es anders herum? Ich bin schon ganz durcheinander.

Dr. Schräg: Sie meinen sicher, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wurde.

Anrufer: Genau! Was ich eigentlich von dir wissen will, Alfred, hat Erna schon angerufen? 

Dr. Schräg: Erna?

Anrufer: Ja! Erna, meine Alte.

Dr. Schräg: Als Arzt unterliege ich der Schweigepflicht, Erwin.

Anrufer: Das weiß ich. Aber kannst du nicht mal eine Ausnahme machen?

Dr. Schräg: Die meisten Anrufer nennen ihren Namen nicht.

Anrufer: Also ich habe damit kein Problem. Kowalczik heiße ich.

Dr. Schräg: Habe ich richtig gehört, Kowalczik ist Ihr Name?

Anrufer: Ja, hab ich doch gesagt.
Dr. Schräg: Ach, dann sind Sie derjenige, der seine Frau nachts in die Kühltruhe steckt.

Anrufer: Erna hat also gequatscht? 

Dr. Schräg: Schläft Ihre Frau eigentlich freiwillig in der Kühltruhe?

Anrufer: Na ja, ein bisschen nachhelfen muss ich schon. 

Dr. Schräg: Nachhelfen, aha!

Anrufer: Die Truhe steht übrigens im Schlafzimmer, damit ich Erna nicht erst in die Küche ..., aber wie schon gesagt, nichts wird so heiß gegessen, wie ... 

Dr. Schräg: Ach lassen Sie doch diese dummen Sprüche, Erwin. Ihre arme Frau liegt nachts in der Kühltruhe, statt im warmen Bett. So etwas ist mir in meiner langjährigen Praxis noch nicht untergekommen.

Anrufer: Aber doch nicht die ganze Nacht. Ich hole sie nach ner Stunde oder so ja wieder raus. Was hat sie Ihnen denn sonst noch erzählt?

Dr. Schräg: Dass Sie nur einschlafen können, wenn sie kalt und reglos daliegt.

Anrufer: Ja, das stimmt. Aber wie schon gesagt, nichts wird …

Dr. Schräg: Um Gottes Willen, hören Sie auf! Hören Sie sofort auf!

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Der Mann am Fenster

Dr. Schräg am Apparat! 

Anruferin: Hallo! 

Dr. Schräg: Guten Tag! 

Anruferin: Wer ist da? 

Dr. Schräg: Dr. Schräg am Apparat. Was kann ich für Sie tun? 

Anruferin: Da steht immer ein Mann! 

Dr. Schräg: Aha! Wo steht denn der Mann und was macht er? 

Anruferin: Er steht im Haus gegenüber am offenen Fenster und machen tut er nichts. 

Dr. Schräg: Er steht am Fenster und macht nichts. 

Anruferin: Er schaut nur. 

Dr. Schräg: Wohin schaut er denn? 

Anruferin: Er schaut mich an. 

Dr. Schräg: Er steht also nur da und schaut Sie an. Können Sie ihn beschreiben? Wie sieht er denn aus und was hat er an? 

Anruferin: Er schaut irgendwie merkwürdig. So, als ob er auf etwas wartet. Er hat ein weißes Unterhemd an, aber was er sonst noch trägt kann ich leider nicht sehen. 

Dr. Schräg: Bitte entschuldigen Sie die Frage, aber Sie sind vollständig angezogen? 

Anruferin: Natürlich! Was denken Sie denn, ich bin eine anständige Frau und zeige mich nicht halbnackt. 

Dr. Schräg: Aber Sie stehen doch auch am Fenster und schauen hinüber. 

Anruferin: Ja, aber … 

Dr. Schräg: Der Mann steht also in seiner Wohnung am Fenster und schaut Sie an. Und Sie stehen auch am Fenster und schauen ihn an. Ist das richtig? 

Anruferin: Ja, das stimmt. 

Dr. Schräg: Jeder Mensch kann einen anderen Menschen anschauen. Das ist nicht verboten. Es sei denn, man verletzt seine Privatsphäre. Wie zum Beispiel ein Voyeur, ein Spanner. 

Anruferin: Der Mann steht aber immer da, Tag und Nacht! 

Dr. Schräg: Habe ich richtig gehört, er steht Tag und Nacht am Fenster? 

Anruferin: Na ja, fast immer. Er muss ja auch mal … 

Dr. Schräg: Sie meinen, er muss auch mal essen oder schlafen. 

Anruferin: Genau! Und er muss sicher auch gelegentlich auf die Toilette. 

Dr. Schräg: Also, ich verstehe Ihr Problem immer noch nicht. Was irritiert Sie denn so an dem Mann? Schauen Sie doch einfach nicht mehr hin. 

Anruferin: Das sagt mein Mann auch. Ich soll einfach nicht mehr hinschauen. 

Dr. Schräg: Damit hat er vollkommen Recht. 

Anruferin: Das kann ja sein, aber es geht nicht. 

Dr. Schräg: Es geht nicht? 

Anruferin: Nein, weil der Mann seit heute morgen viel höher steht, wahrscheinlich steht er auf einer Trittleiter. 

Dr. Schräg: Er steht auf einer Leiter, sagen Sie. Wie weit ist es eigentlich bis zu ihm? 

Anruferin: Na ja, so ungefähr 10 Meter. Ich kann übrigens jetzt sehen, dass er nur ein weißes Unterhemd trägt und sonst nichts. 

Dr. Schräg: Aha! Er ist also ein Exhibitionist und Sie erliegen nun dem ganz natürlichen Reflex der Neugierde. 

Anruferin: Na ja, ich habe ihm jedenfalls vorhin zugewinkt und gelacht. 

Dr. Schräg: Das ist doch schön. Es beweist Ihre Toleranz diesem psychisch kranken Menschen gegenüber. 

Anruferin: Leider hat das dem Mann aber überhaupt nicht gefallen. Er hat sich gleich umgedreht und jetzt sehe ich ihn nur noch von hinten. 

Dr. Schräg: Das ist aber ziemlich unhöflich von ihm, finde ich. 

Anruferin: Das denke ich auch und ich möchte, dass er sich mir wieder von vorne zeigt. Haben Sie vielleicht einen Rat für mich, was ich da machen kann? Von vorne ist er nämlich viel schöner anzusehen, wenn Sie verstehen, was ich meine. 

Dr. Schräg: Sie glauben gar nicht, was ich bei meinem Beruf alles verstehen muss. Also, da könnte ich Ihnen ...

Anruferin: Herr Doktor! Doktor Schräg! Jetzt hat der Mann plötzlich einen Strick in der Hand und fummelt damit rum. 

Dr. Schräg: Er hat einen Strick und er fummelt rum? 

Anruferin: Ja, er hat am Ende eine Schlinge geknotet und nun legt er sie sich um den Hals und … oh mein Gott, er will sich doch nicht … Nein! Das ist ja furchtbar! Was mache ich jetzt bloß? 

Dr. Schräg: Ich wiederhole meinen Rat. Schauen Sie einfach nicht mehr hin. 

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Immer bei der Wahrheit bleiben

Dr. Schräg, Psychologe!

Anrufer: Hallo Herr Doktor!

Dr. Schräg: Ja, bitte?

Anrufer: Guten Abend! Ich bin Rentner und habe jetzt auch eine eigene Hompaitsch. Da wollte ich mal anfragen, ob man, also wenn man da über sich berichtet, ob man dann immer bei der Wahrheit bleiben muss oder auch mal … Sie wissen schon. 

Dr. Schräg: Sie haben also eine eigene Homepage und wollen wissen, ob man darin genaue Angaben über sich machen muss.

Anrufer: Genau! Ich bin fünfundsiebzig, sehe aber jünger aus. Da ist auch meine neue Perücke dran schuld. Sie hat nämlich nordeuropäisches Haar, kein asiatisches! Vor dem Schlafengehen nehme ich sie immer ab, weil mich dann sowieso niemand sieht. Auch meine Brille nehme ich dann ab. Es ist ja dunkel im Zimmer und es gibt nichts zu sehen, außer wenn ich träume. Aber da habe ich sie noch nie vermisst. Ist eigentlich komisch, oder? Mein Gebiss tu ich übrigens in ein Glas Wasser, damit es desfinzifiert wird. 

Dr. Schräg: Es wird desinfiziert. Sie leben also allein?

Anrufer: Ja. Meine Frau ist vor kurzem verstorben. Deshalb hat mir mein Sohn auch eine Hompaitsch eingerichtet.

Dr. Schräg: Ich verstehe nicht ganz den Zusammenhang.

Anrufer: Ja, wissen Sie, ich habe beim Arzt, der mich wegen meiner Hämmoridden oder wie das nun heißt und noch anderer Sachen behandelt, in einer Zeitschrift gelesen, dass man als  Alleinstehender mit eigener Hompaitsch mehr Chancen bei Frauen hat. Dort können sie sich nämlich alles von einem angucken. Na ja, fast alles.

Dr. Schräg: Sie meinen wahrscheinlich eine Kontaktbörse für Singles im Internet.

Anrufer: Genau! Da wird doch immer nach Fotos von einem gefragt und wie alt man ist und solche Sachen. Und wo man wohnt und welche Hobbys man hat, wird auch oft gefragt. 

Dr. Schräg: Sie wollen also wissen, ob man auf seiner Homepage immer zutreffende Angaben über sich und seine Verhältnisse machen muss.

Anrufer: Genau! Wissen Sie, ich will ja nicht gleich wieder heiraten, einfach ab und zu ein bisschen Spaß haben, wenn Sie verstehen, was ich meine. Wissen Sie, ich bin noch ganz rüstig - auch da unten!

Dr. Schräg: Das ist schön für Sie. Den Frauen würde es allerdings beim ersten persönlichen Treffen sofort auffallen, wenn Sie zum Beispiel falsche Angaben über Ihr Äußeres machen.

Anrufer: Deshalb frage ich Sie ja auch, Herr Doktor.

Dr. Schräg: Ich rate Ihnen sehr bei der Wahrheit zu bleiben. Dass Sie eine Perücke tragen und keine echten Zähne mehr haben, müssen Sie ja nicht gleich erzählen. Und dass Sie wegen ihrer Hämorrhoiden und "anderer Sachen" in ärztlicher Behandlung sind, müssen Sie auch nicht sofort erwähnen. 
In Ihrem Alter kommt es doch sowieso mehr auf die inneren Werte an und die äußere Hülle ist da eher unwichtig.

Anrufer: Das haben Sie schön gesagt, Dr. Schräg. Vielen Dank!

Dr. Schräg: Gern geschehen!

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Wo drückt der Schuh?

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Tjaaaa, also ich …

Dr. Schräg: Kann ich Ihnen helfen?

Anruferin: Ich weiß nicht, ob …

Dr. Schräg: Sie wissen nicht, ob Sie sich mir anvertrauen können.

Anruferin: Genau!

Dr. Schräg: Versuchen Sie es einfach mal und dann sehen wir weiter.

Anruferin: Tjaaa, wenn das so einfach wäre, dann … 

Dr. Schräg: Dann?

Anruferin: Also gut, ich will's mal versuchen. Wissen Sie, ich bin Witwe und schon etwas älter, aber noch ganz gut beisammen. Geistig sowieso, aber auch körperlich. Und ich habe gewisse Bedürfnisse. Sie verstehen, was ich meine?

Dr. Schräg: Nicht ganz.

Anruferin: Immer allein zu sein ist doof. Daher habe ich vor einiger Zeit im "Gauweiler Tageblatt" eine Kontaktanzeige aufgegeben: 
Reife Frau in der Blüte ihrer Jahre, alleinstehend, sucht netten Mann (Nichtraucher) für gemeinsame Unternehmungen. 

Dr. Schräg: Ja. Und wo drückt nun der Schuh?

Anruferin: Woher wissen Sie das mit den Schuhen? Ich habe doch noch gar nichts erzählt.

Dr. Schräg: Das ist doch nur eine Redensart. 

Anruferin: Ach so.

Dr. Schräg: Ihre Schuhe drücken. Habe ich das jetzt richtig verstanden?

Anruferin: Nein, meine Schuhe drücken nicht. Es gibt aber trotzdem ein Problem mit meinen Schuhen.

Dr. Schräg: Und welches?

Anruferin: Ja, wissen Sie, ich habe kürzlich einen Mann aufgrund meiner Anzeige kennengelernt. Eigentlich ist er ganz nett, aber etwas stört mich an ihm. 

Dr. Schräg: Etwas stört Sie an dem Mann.

Anruferin: Ja. Er ist ganz verrückt nach meinen Schuhen. Vor allem nach denen, die ich schon länger trage. Das ist doch nicht normal, oder?

Dr. Schräg: Was macht Ihr Bekannter denn genau mit den Schuhen?

Anruferin: Er schnüffelt an ihnen rum, vor allem innen drin. Er sieht dabei richtig glücklich aus.

Dr. Schräg: Er schnüffelt und sieht glücklich aus.

Anruferin: Ja. Und dann macht er sich auch noch Notizen.

Dr. Schräg: Er macht sich Notizen. Und was schreibt er?

Anruferin: Daraus werde ich nicht so richtig schlau. Es sind einzelne Buchstaben und dahinter stehen Zahlen. Manchmal auch in Klammern.

Dr. Schräg: Das könnten Formeln sein. Was ist Ihr Bekannter eigentlich von Beruf?

Anruferin: So genau weiß ich das nicht. Es hat irgendwie mit Fermoronen oder wie das Zeug heißt zu tun. Er sagt, dass er ständig auf der Jagd nach ihnen wäre.

Dr. Schräg: Pheromone sind Sexual-Lockstoffe. Wahrscheinlich haben Ihre Schuhe einen ganz besonderen Geruch, den er dann später im Labor synthetisch erzeugt und in Kombination mit anderen Düften zu einem neuen Parfüm kreiert. 

Anruferin: Sie meinen also, dass meine ollen Schweißlatschen mit dazu beitragen, dass Männer sexuell angeregt werden?

Dr. Schräg: Das ist durchaus möglich.

Anruferin: Dann brauch' ich mir also keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob mit meinem Bekannten alles stimmt. Schönen Dank für Ihre Hilfe!

Dr. Schräg: Gern geschehen. 

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Sündigen macht Spaß

Dr. Schräg am Apparat. Psychologe! Was kann ich für Sie tun?

Anruferin: Guten Abend! Entschuldigen Sie die späte Störung. Ich habe viele Fragen an Sie und vielleicht ….

Dr. Schräg: Das geht schon in Ordnung. Bitte fragen Sie. 

Anruferin: Macht Ihnen eigentlich Spaß, was Sie da machen?

Dr. Schräg: Nun ja, es kommt darauf an.

Anruferin: Wie meinen Sie das?

Dr. Schräg: Manche Anrufer tun sich schwer damit, einem fremden Menschen ihre Sorgen und Nöte anzuvertrauen. Das kann manchmal sehr frustierend sein und erfordert viel Geduld meinerseits. Andere wiederum kommen gleich zur Sache und sind offen für einen guten Rat. Dann macht es natürlich mehr Spaß. 

Anruferin: Dann sind Sie wohl auch 'ne Art Beichtvater. 

Dr. Schräg: In gewisser Weise stimmt das. Ich höre ja oft von Verfehlungen der unterschiedlichsten Art. 
Eine Absolution kann ich natürlich nicht erteilen. 

Anruferin: Wo kämen wir auch hin, wenn man nur jemand anzurufen braucht, dem man von seinen Sünden erzählt und das war's. Angst vor Strafe? Fehlanzeige!

Dr. Schräg: Es gibt aber auch viele Menschen, die wollen gar keine Absolution.

Anruferin: Haben die denn überhaupt kein schlechtes Gewissen?

Dr. Schräg: Offenbar nicht. Sündigen kann ja auch Spaß machen.

Anruferin: Da ist was dran.. 

Dr. Schräg: Abgesehen von den wirklich schweren Verfehlungen, wie zum Beispiel Tauben vergiften oder etwas im Internet veröffentlichen, das kein Mensch lesen will, gibt es Sünden, die zwar niemand schaden, aber aus ethischen und moralischen Gründen von vielen Zeitgenossen dennoch als verwerflich angesehen werden.

Anruferin: Stimmt! Was machen Sie eigentlich gerade? Sind Sie noch in Ihrer Praxis?

Dr. Schräg: Nein. Ich sitze gemütlich zuhause in meinem bequemsten Sessel, trinke meinen Lieblingswein, eine Flasche "Kummersberger Trockenbeerenauslese", Jahrgang '79, und plaudere ganz entspannt mit Ihnen. 
Sie haben übrigens eine sehr sympathische Stimme. Sie klingt … wie soll ich sagen … anregend. Man ist versucht, mehr von sich zu erzählen …

Anruferin: Das hat mir bisher noch niemand gesagt. Bitte sprechen Sie weiter!

Dr. Schräg: Ich bekomme oft Dinge zu hören, die eine Frau selbst ihrer besten Freundin nicht erzählen würde. 
Auch Männer nehmen mir gegenüber kein Blatt vor den Mund und sogar die Schüchternen unter den Anrufern haben nach einer gewissen Zeit keine Hemmumgen, mir alles über sich zu erzählen, wenn man ihnen das Gefühl der Anteilnahme vermittelt.

Anruferin: Jetzt verstehe ich. Sie bringen die Menschen auf raffinierte Weise dazu, über ihre intimsten Geheimnisse zu sprechen und dann veröffentlichen Sie das ohne Gewissensbisse in Ihrem sogenannten Protokoll Wort für Wort. Pfui Teufel! 

Dr. Schräg: Nein, nein, das stimmt so nicht, das sehen Sie falsch! Die Anrufer werden von mir grundsätzlich nicht nach ihrem Namen gefragt und auch nicht nach ihrem Alter oder der Adresse. Anonymität heißt das Zauberwort. 

Anruferin: Dann bin ich beruhigt. 

Dr. Schräg: Es macht einfach Spaß, wenn die Anrufer aus sich herausgehen und mir ihre Probleme offen und vertrauensvoll schildern. Am spannendsten wird es für mich natürlich immer dann, wenn sie mir von ihren Sünden erzählen. 

Anruferin: Sie geilen sich daran auf, stimmt's?

Dr. Schräg: So krass würde ich das nicht formulieren. Aber da fällt mir übrigens wieder etwas ein. Zu Beginn unseres Gespräches habe ich Sie doch gefragt, was ich für Sie tun kann und Sie antworteten, dass Sie viele Fragen an mich hätten. Haben Sie auch gesündigt?

Anruferin: Da muss ich Sie leider enttäuschen. Außerdem weiß ich jetzt, was ich wissen wollte.

Dr. Schräg: Schade! 

Anruferin: Ach übrigens, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Ich heiße Barbara Petersen und arbeite beim Finanzamt Hamburg Mittte, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. 
Ich rufe im Rahmen eines Forschungsprojektes der hiesigen Oberfinanzdirektion an. Es geht um die Verbesserung des leider immer noch gestörten Verhältnisses zwischen steuerpflichtigen Bürgern und ihrem zuständigen Finanzamt. 

Dr. Schräg: Das klingt ja sehr interessant. Hat unser Gespräch Ihnen weitergeholfen?

Anruferin: Sie haben mir wertvolle Anregungen gegeben. Vielen Dank!

Dr. Schräg: Gern geschehen. Berichten Sie mir doch gelegentlich über das Projekt. Ich stehe Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung. Vielleicht hat ja auch der eine oder andere Mitarbeiter Ihrer Behörde das Bedürfnis …

Anruferin: Danke für das freundliche Angebot. Ich komme zu gegebener Zeit darauf zurück. Auf Wiederhören!

Dr. Schräg: Auf Wiederhören!

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Nichts geht, läuft oder steht mehr!

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Wer ist dort? Dr. Schreck?

Dr. Schräg: Dr. Schräääg, Psychologe!

Anruferin: Dann bin ich ja richtig.

Dr. Schräg: Kann ich Ihnen helfen? Um was geht es?

Anruferin: Gehen tut es um meinen Mann. 

Dr. Schräg: Es geht also um Ihren Mann.

Anruferin: Nichts geht mehr!

Dr. Schräg: Eben haben Sie doch noch gesagt, dass es um Ihren Mann geht. Und jetzt sagen Sie, dass nichts mehr geht.

Anruferin: Das ist richtig!

Dr. Schräg: Bitte?

Anruferin: Es läuft nicht. Verstehen Sie?

Dr. Schräg: Ehrlich gesagt, nein.

Anruferin: Bisher ist es immer gelaufen und das war für ihn die selbstverständlichste Sache von der Welt.

Dr. Schräg: Vorhin ging es nicht mehr und laufen tut es auch nicht. Es steht also nicht gut?

Anruferin: Von Stehen kann gar keine Rede sein. Er hängt!

Dr. Schräg: Wie lange sind Sie denn schon verheiratet?

Anruferin: Was hat das denn damit zu tun? 

Dr. Schräg: Aber Sie sagten doch eben: nichts geht mehr, nichts läuft mehr. Und stehen tut er auch nicht, er hängt. 

Anruferin: Sagen Sie mal, haben alle Psychologen eine so schmutzige Fantasie?

Dr. Schräg: Was erlauben Sie sich? Sie rufen bei einem ausgewiesenen Spezialisten für zwischenmenschliche Beziehungen an und bitten um Rat. Und dann so was!

Anruferin: Ich wollte Sie nicht beleidigen. Ich dachte nur …

Dr. Schräg: Schon gut. Was kann ich denn jetzt konkret für Sie tun? Ihr Mann hat offenbar Probleme, die sich mir wie folgt darstellen: nichts geht, läuft oder steht mehr, aber er hängt.

Anruferin: Richtig! Er hat bis vor kurzem alles gleich auf der Toilette entsorgt, wenn er voll war. 

Dr. Schräg: Ihr Mann trinkt also gelegentlich einen über den Durst und hängt jetzt an der …

Anruferin: Was erlauben Sie sich?! So einer ist mein Mann nicht. 

Dr. Schräg: Ja um Himmelswillen, was …

Anruferin: Mein Mann will nicht mehr. 

Dr. Schräg: Das ist in gewisser Weise verständlich, wenn nichts mehr geht, läuft oder steht und nur noch hängt.

Anruferin: Sie haben gut reden. Jetzt muss ich alle paar Stunden den vollen Beutel entleeren und der Arzt hat gesagt, dass Windeln auch nicht das Wahre sind.

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Arme Würstchen

Dr. Schräg! Guten Abend!

Anruferin: Einen schönen guten Abend, Herr Doktor! Ich weiß, es ist schon spät, bitte entschuldigen Sie.

Dr. Schräg: Das macht nichts. Wie heißt es doch so schön: "Besser spät, als nie!"

Anruferin: Ach, da fällt mir aber ein Stein vom Herzen. 

Dr. Schräg: Haben Sie denn sonst noch was auf dem Herzen?

Anruferin: Ja, es geht um gewisse Anrufe von Männern. Sie verstehen?

Dr. Schräg: Leider nein. Sie werden also von Männern angerufen. Aber das ist doch nichts Ungewöhnliches. Auch ich werde von Männern angerufen.

Anruferin: Das ist schon richtig, aber bei Ihnen ist es doch kostenlos für die Anrufer. Oder schicken Sie hinterher eine Rechnung? 

Dr. Schräg: Nein, ich höre mir die Sorgen und Nöte der Menschen an und gebe ihnen hin und wieder auch einen Ratschlag, wenn ich kann. Das kostet aber nichts.

Anruferin: Wie schön! Also bei mir kostet es was und je länger so ein Anruf dauert, desto teurer wird es für die Kunden. 

Dr. Schräg: Ah, jetzt verstehe ich. Sie arbeiten als Callgirl.

Anruferin: Girl ist gut, nächstes Jahr werde ich fünfundsiebzig!

Dr. Schräg: Donnerwetter! Sie haben aber noch eine sehr jugendliche Stimme. 

Anruferin: Ja, das sagen die Männer auch immer, wenn ich ihnen mein Alter nenne.

Dr. Schräg: Ist das denn nicht, wie soll ich sagen … geschäftsschädigend für Sie?

Anruferin: Nein, wo denken Sie hin. Im Gegenteil! Die meisten Anrufer werden dann erst richtig scharf und merken gar nicht mehr, dass die Uhr läuft.

Dr. Schräg: Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Verzeihung, ich wollte Sie nicht beleidigen.

Anruferin: Schon gut. Mich kann man nicht so schnell beleidigen. Aber hören Sie mal, Sie sind doch Psychologe und verstehen das trotzdem nicht?

Dr. Schräg: Man lernt nie aus, auch nicht in meinem Beruf. Aber vielleicht klären Sie mich ja noch auf?

Anruferin: Sie müssen sich das so vorstellen. Die Männer, die mich anrufen, erwarten für ihr Geld eine ganz bestimmte Dienstleistung. Sie können mich nicht sehen, mich nicht berühren, aber sie hören mich. In ihrer Phantasie bin ich eine junge, attraktive Frau, die sie erregt und ihnen zur gewünschten Entspannung verhelfen soll. 

Dr. Schräg: Jetzt verstehe ich noch weniger, warum die Männer …

Anruferin: Die Männer wollen mir einfach nicht glauben, dass ich schon so alt bin. Sie fragen mich Löcher in den Bauch. Zum Beispiel, ob meine Titten noch fest sind und solche Sachen.

Dr. Schräg: Jetzt verstehe ich. Sie verlängern auf diese Weise das Gespräch und es klingelt in der Kasse.

Anruferin: Ich habe die Männer bisher im wahrsten Sinn des Wortes abgesahnt, aber das kann so nicht weitergehen.

Dr. Schräg: Sie haben wirklich eine anregende Stimme. Ich kann die Männer gut verstehen, wenn sie … 

Anruferin: Herr Doktor, Sie klingen ja plötzlich ganz heiser!

Dr. Schräg: Ich möchte Ihnen doch so gerne helfen. Wo liegt Ihr Problem?

Anruferin: Allmählich tun mir die Männer leid. Das sind doch eigentlich ganz arme, verklemmte Würstchen, die sich nicht trauen eine Frau mal "in echt" …

Dr. Schräg: Sind Sie wirklich schon fünfundsiebzig? Sprechen Sie weiter. Ich bitte Sie! Bitte, bitte, bitteeee!!! 

© Fred Lang

Auszugende

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Anmerkung
Die vielen positiven Reaktionen auf dieses kleine Büchlein waren der Anlass, noch zusätzlich ein Forum online zu stellen. Und somit eine Plattform anzubieten, auf der im Gegensatz zu dem im Buch veröffentlichten Protokoll einer telefonischen Beratung ab sofort auch die Möglichkeit für Besucher besteht, die eigenen Sorgen und Nöte anonym online zu schildern und fachkundigen Rat zu erhalten, der von mir augenzwinkernd und kostenlos erteilt wird..
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieses Projekt mit einem gewissen Augenzwinkern betrieben wird und alles nicht so ernst genommen werden sollte. Schmunzeln ist erlaubt und sogar ausdrücklich erwünscht.

Lesermeinungen

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